Zum 40jährigen
Jubiläum 1989 wurden einige geschichtliche Notizen
veröffentlich. Hier ein Auschschnitt aus
der Chronik. Das Heft ist bei der Güdelmontag-Rott
erhältlich.
UND DIE TROMMLER
KAMEN NICHT...
Dass die Gründung einer Fasnachtsgesellschaft
nicht in jedem Fall nur humoristisch-närrischen
Motiven entspringen muss, belegt die wechselvolle
Geschichte der Schwyzer "Güdelmontag-Rott".
Dem Hauptinitianten und Mitbegründer der "Güdelmontagmorge-Rott",
Franz Steiner-Schuler, war es ein Anliegen, die
Schwyzer Strassenfasnacht vor allem am Morgen des
Güdelmontags wieder zu beleben. 1949 (und nicht
1948, wie in andern Aufzeichnungen festgehalten
ist) stellte er darum eine "Güdelmontagmorge-Rott"
mit zwölf Maschgraden zusammen.
Ältestes vorhandenes Foto von 1952
Diese machte sich im Restaurant "Alpenrösli"
bereit, wurde aber von den Tambouren der "Gesellschaft
zur Hebung alter Sitten und Gebräuche"
(heute "Schwyzer Nüssler") nicht,
wie offenbar vereinbart worden war, abgeholt. Über
dieses Verkommnis, das jahrelange Spannungen zur
Folge hatte, zirkulierten bisher verschiedene Gerüchte,
so u. a. jenes, dass der legendäre Schwyzer
Nüssler Karl Kälin vom Gütsch ("General
Gütsch") den Auftrag gehabt hätte,
die Trommler zu organisieren, es aber vergessen
habe. Diese Erklärung wird heute allerdings
als unzutreffend bezeichnet, war doch "Gütschkari"
damals Präsident der Nüssler. Und ältere
Nüssler halten sogar entgegen, dass sich die
Rott immer in der Maskengarderobe besammelt habe
und die Maschgraden nie in einer Wirtschaft abgeholt
worden seien. Dennoch: Das Ausbleiben der Tambouren
war aus der Sicht damaliger Dorfbächler eben
mehr als nur ein kleines Versehen mit dem Gewicht
einer lässlichen Sünde, schon eher ein
gesellschaftliches Delikt: Die "Dörfler"
hatten die "Dorfbächler" sitzen gelassen!
Entsprechend unverblümt bringt denn auch Franz
Steiner seine persönlichen Erinnerungen sowie
die spontane Reaktion von damals in einem Gespräch
zum Ausdruck. Er berichtet in einer Tonbandaufzeichnung
nicht nur über den Verlauf der Gründung
der "Güdelmontagmorge-Rott" am Mittefasten-Sonntag
1949 im Restaurant "Edelweiss", sondern
entkräftet gleichzeitig ein weiteres Gerücht,
die "Güdelmontagmorge-Rott" sei aus
der einstigen "Grossgrinde-Zunft" hervorgegangen.
Träger der Idee einer selbständigen Rott
am Morgen des Güdelmontags waren anfänglich
tatsächlich nur eingefleischte Dorfbächler:
Vater Franz Steiner-Schuler und Sohn Franz Steiner-Gwerder,
Alois Tschümperlin-Schorno, KarI Römer,
Alois Auf der Maur-Bossert, Josef Letter-Truttmann
und Alois Ehrler-Bolfing. Nicht umsonst spricht
man heute noch von der "Dorfbächler-Rott".
Das närrische Treiben hatte bei den Gründern
Vorrang, nicht die Vereinsadministration. So verwundert
es nicht, dass über die Gründungsversammlung
und die ersten drei Vereinsjahre nichts Schriftliches
vorliegt oder Aufgezeichnetes verloren gegangen
ist. Vergeblich sucht man in den Protokollen über
die Jahresversammlungen der Schwyzer Nüssler
und in den beiden Lokalzeitungen nähere Details
über das Aufkommen einer zweiten Rott und die
teils heftigen Auseinandersetzungen unter den beiden
Gruppierungen. Das Thema zieht aber wie ein roter
Faden durch die inzwischen vierzigjährige Vereinsgeschichte
der Güdelmontag-Rott.
Ein früher Versuch, die beiden Gesellschaften
zu vereinigen, wurde von den "Güdelmändigern"
am 16. Januar 1954 mit unmissverständlichen
Bedingungen verknüpft. So verlangten sie, dass
am Güdelmontagmorgen nur eine Rott vom Vereinslokal
aus hätte wegziehen dürfen, am Nachmittag
jedoch zwei. Die erste Rott mit Maschgraden vom
Dorfbach und Zuzüglern sowie zwei Tambouren
hätte sich im "Alpenrösti" besammeln
sollen, die zweite Rott an einem beliebigen Ort
im Dorf oder Hinterdorf. Schliesslich schlugen die
Dorfbächler vor, die beiden Rotten anschliessend
auf dem Hauptplatz zu vereinigen oder sie dann getrennt
eigene Routen gehen zu lassen. Abends hätten
sich die Rotten an ihren Ausgangspunkt oder ins
gemeinsame Gründungslokal zurückziehen
müssen. Die Bedingungen verlangten ferner,
die Routen jeder Rott gemeinsam schriftlich und
verpflichtend festzulegen. Im weitern wollten die
Dorfbächler sicherstellen, dass die Tambouren
aus der Kasse der Gesellschaft bezahlt würden,
"damit dieselben zu einem anständigen
Lohn kommen".
Ob so vielen Vorgaben scheiterten offenbar die Verhandlungen,
heisst es doch im GV-Protokoll von 1955, die Aussprache
sei wegen des "sturen Verhaltens" der
Nüsslergesellschaft ergebnislos verlaufen.
Es folgte dann eine lange und teils mühsame
Wegstrecke, bis die Routen der beiden Rotten gemeinsam
abgesprochen, gegenseitige Besuche an den Generalversammlungen
mit dem Recht auf Doppelmitgliedschaft möglich
wurden und man schliesslich sogar regelmässig
Kontakte pflegte. Wie die Initianten der Dorfbächler
Rott berichten, sträubte sich nicht die NüsslerGesellschaft
gegen die Gründung der "Güdelmontagmorgen-Rott",
sondern es sollen einige Obereifrige gewesen sein,
die sich einen "privaten Kleinkrieg unter Maschgraden"
lieferten. Gleichzeitig wird aber immer wieder betont,
dass gerade diese Spannungen und Neckereien die
Ursache waren, dass die Güdelmändiger
sich als Verein später nicht wieder auflösten.
Quelle: Güdelmontag-Rott
Schwyz, Notizen zur wechselvollen Geschiche der "Dorfbächler-Rott"
von Hans Steinegger